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 Hexenverfolgung in Köln

In einem Zeitraum von ca. 200 Jahren, etwa von 1435 bis 1655, gab es in Köln rund 96 Prozesse gehen Hexen bzw. Hexenmeister. Von den aktenkundig gewordenen Fällen handelt es sich bei 85 der Beschuldigtem um Frauen. Das entspricht einer Quote von 89%. Von den 96 Beschuldigten wurden 37 hingerichtet, darunter mindestens 10 Hebammen.
Ein Nachlassen der Verfolgung ist ab ca. 1630 sichtbar, was sicherlich auch etwas mit dem Fall der Christina Plum zu tun hat.: “Sie bezichtigte sich selbst der Hexerei, beschuldigte aber zehn prominente Bürger, darunter den Domherren Franz von Lothringen und den Stadtsyndikus Wissius, am Hexentanz teilgenommen zu haben. Um den Skandal nicht auszuweiten wird die Plum in einem Schnellverfahren verurteilt und hingerichtet”(
26 ). Die Prozessunterlagen wurden anschließend vernichtet.

Katherina Henoth - Die bekannteste Hexe Kölns

Die wohl bekannteste Kölner Hexe ist Katherina Henoth, die Tochter des kaiserlichen Postmeisters, die 1626 in den Verdacht geriet, eine Hexe zu sein.
Katharina Henoth traf im St. Claren-Kloster am Römerturm, in dem sie häufig ihre Tochter und ihre Schwester besuchte, auf “mehrere Nonnen und Laienschwestern, die angeblich vom Teufel besessen waren.”(
27) Eine von ihnen war Magdalena Raußrath, die wahrscheinlich Epileptikerin war. Als man an dieser den Exorzismus vornahm erklärte sie, dass Katharina Henoth ihr “ den Teufel angezaubert” (28) habe und somit war Katherina Henoth bald in der ganzen Stadt als HEXE bekannt. Trotz mehrfacher Versuche dieses Gerücht aus der Welt zu schaffen, wurde sie am 09.01.1627 nach einer nur eintägigen Untersuchung verhaftet, wobei fünf Indizien ausschlaggebend waren:

1) “Die Demütigste Supplication” von Magdalena Raußrath, in der sie den Postmeister denunzierte”,

2) Die mündliche Aussage einer in Lechingen inhaftierten Frau, der “Langenbergerin”, Katherina Henoth sei eine Zauberin,

3) Die gleichlautenden Aussagen von Klosterinsassinnen

4) Das “gmein geschrey” in der Stadt

5) Das Nichterscheinen der Katherina Henoth vor Gericht zum Zweck ihrer Verteidigung ( man wertete das als Schuldbekenntnis).”(29)

Katherina Henoth wurde wahrscheinlich fünf mal gefoltert, ohne zu gestehen, und schließlich zum Tode verurteilet.
Die Hinrichtung erfolgte am 19.05.1627, indem sie zunächst erdrosselt wurde - was eine Gunst war - “und dann in einer kleinen Strohhütte verbrannt”(
30) wurde.

Kölner Schauplätze der Hexenverfolgung

Zur Zeit der Katherina Henoth gab es in Köln viele Plätze, die mit der Hexenverfolgung und nicht zuletzt mit Katherina Henoth selbst in Verbindung standen.

Hexenverfolgung in Frechen

Auch in Frechen sind mehrere Hexenprozesse, sowie 13 Hinrichtungen bekannt. Allerdings sind hier “von den Gerichtsakten wesendliche Teile, nämlich die eigentlichen Vernehmungs- und Verhandlungs-
protokolle abhanden gekommen, was auf absichtliche Vernichtung schließen lässt.”(31)
Was noch schriftlich existiert sind die Urteile selbst und die Kostenrechnung der Hinrichtungen.
Wogegen örtliche Richter die Untersuchungen durchführten, waren es Kölner Richter, die die Urteile fällten und dies, ohne bei den Verhören selbst dabeigewesen zu sein.

Als Hexen verbrannt wurden:

1629: Beelen [Sibilla] Botzkeufen
          Hillen Bergisch
          Nael Kumpscheunen
          Lisabeth, Johann Thomas Frau
          Anna, Ort Jans Frau
          Trina Bonn am Heiligenhäuschen
          Anna, des Schmieds Frau

1635: Margarethe Nork
          “Die Petersche”
       
  Margareth Reuter
1637: Appolonia, des Leonhard Schweders Frau
          Adolfs Trentgen[Christine]

Wegen ihrer Schwangerschaft (“ihres Leiben Bürden”) wurde Beel [Sibilla] Eicken, Peters Frau, nicht am 31.10.1637, sondern erst am 17.03.1638 hingerichtet, wobei Sie bis zu ihrer Hinrichtung in Haft blieb.

Hexenverfolgung im Bonner Raum

Auch im Bonner Raum ist das Auftreten von Hexenprozessen keine Seltenheit gewesen. Dennoch sind von Bonn selbst nur wenige Hexenprozesse bekannt. Wesendlich ausschweifender waren die Hexenverfolgungen in den ländlichen Gebieten um Bonn, beispielsweise wurden im “Drachenfelser Ländchen” zwischen 1630 und 1645 92 Menschen wegen Hexerei hingerichtet.

Hexenverfolgung in der Stadt Bonn

Die älteste Überlieferung einer Ketzerhinrichtung stammt aus dem Jahre 1143. Im Jahre 1507 wurden mehrere Hexen “auf dem Gerichtsplatz auf der Höhe, heute an der Kölnstraße, südlich des Nordfriedhofes, verbrannt”.(32) Hierzu heißt es, dass “etliche zeuberschen unlanx vam leven int fuyr und zome doide mit recht und urtell verwyst sin (mehrer Zauberinnen unlängst vom Leben in das Feuer und zum Tode mit Recht und Urteil verwiesen worden sind)”.(33)
Unter den Betroffenen waren jedoch nicht nur, wenn auch meist, Frauen. Am 13.09.1628 wurde Phillip von Lannesdorf “nachdem ihn angeblich ein Dämon im Gefängnis erwürgt hatte, in Bonn verbrannt, weil er ein Werwolf gewesen sei”.(
34) Jedoch verbrannte man ihn nicht allein, sondern mit einem “14 Fuß langen Rosenkranz, in dem er nach seinem Geständnis vom Teufel, wohin er wollte, getragen worden war”.(35)
Wahrscheinlich wurde ihm zudem noch der Kopf “abgehauwen und sinen kopf einem wolf druff gestechen und also zum exempel laissen stain”.(
36) Phillip von Lannesdorf war das erste bekannte Opfer in der Welle der Hexenprozesse.
Die berühmteste Bonner Hexe war jadoch die Besitzerin des Gasthauses “Zur Blomen” (heute “em Höttche”), Elisabeth Kurtzrock, die Witwe eines Schöffen; erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, daß der Schöffe ein Würdenträger der Stadt war.
Elisabeth Kurtzrock, geb. Knipping stammte aus einer angesehenen Familie des früheren Bonn. Sie war in zweiter Ehe mit Hans Georg Kurtzrock verheiratet, mit dem zusammen sie die Wirtschaft führte. Ihr Mann gehörte nicht nur lange Zeit dem Schöffenkollegium an, sondern war auch im Jahre 1622 Bürgermeister der Stadt. Gestorben ist er 1624.

Im Jahre 1628 schrieb der Pfarrer von Alfter, Hilger Durenius an den Grafen Werner von Salm, zu dessen Besitz Alfter gehörte, daß man Elistbeth Kurtzrock verhaftet habe und von ihr sage:” ... sie ist eibe hex, und ttaglich vermeint man daß sie iustificiert solle werden....”(37 )
Das Ende der Elisabeth Kurtzrock schrieb der Rentnermeister Alfters am 3. November des Jahres 1628 an den Graf Werner von Salm mit folgenden Worten:” Verlitten montagh (das war der 30. Oktober) ist die alde wirthin zu bonn in der Blomen uff der Höhe verbrandt... und wirdt noch vil von vornehmen reichen, doch mir unbewust(en) und unbekhandten Leuten, so in Bonn und sunsten sein, welche der zauberkunst (angeklagt) seyn sollen, gesagt, welches die zeit ahn den tag bringen wird”.(
38)
Die unterlage der Prozesse, sowie Verhörprotokolle, die die Ausweitung des Hexenwahns in Bonn belegen würden, sind dirch das Bombardement der Stadt im Jahre 1689 verbrannt. Sicher ist jedoch, daß Elisabeth Kurtzrock nicht die einzige Hexe war, die in Bonn im Jahre 1628 verbrannt wurde. Dies ist belegt durch einen Brief des Rentnermeisters von Alfter an den Grafen Werner  vom 21. Oktober 1628, der mit den Worten;”Neuwes sunderlich nichtz dieserorts, dann heudt ist ein Jungfern zu Bonn verbrandt, und sitzet eine von Herßell und dan zu Bonn die alde wirthin in der Blomen, Kurtzrock geheischen”(
39) beginnt. Somit liegt nahe, dass es sich um eine Kette von Hexenprozessen gehandelt hat.
Im Jahre 1629 bezichtigte sich Katherina Curtius in ihrem Testament, welches sie vor den Schöffen machte, der “Gotteslästerung und großer grober Laster”(
40) und wurde kurz darauf hingerichtet. Auch sie stammte aus den “besten bonner Kreisen”(41) Die von Hause aus wohlhabende Katherina Curtius war in zweiter Ehe mit dem Apotheker Rainer Curtius verheiratet ( einem Verwandten ihres ersten Mannes). Nachdem Katherina im Jahre 1629 auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war, wurde ihr Ehemann Alleinerbe des beträchtlichen Vermögens und heiratete 1630 erneut, wobei das erste von sieben Kindern vor der offiziellen Eheschließung zur Welt kommt. Diese legt nahe, dass Katherina das Opfer einer intriege wurde. Der Verdacht gegen ihren Ehemann wird verstärkt durch dessen gutes Verhältnis zu den Richtern seiner Frau, die sich großzügig in der Bemessung und Eintreibung der Prozesskosten zeigten”. ( 42)
Jedoch waren nicht nur die vermeintlichen “Hexen” die Opfer der Verfolgung, sondern auch ihre Familien. Prozess und Hinrichtung brachten die Familie der Beschuldigten nicht nur in den Verdacht einer ”Brutstadt des Teufelspaktes”, die Koste konnten sie auch an den Bettelstab bringen.(
43)

Flamersheimer Hexenprozesse

“Ich habe Euch gesehen auf den Teufelstänzen am Ortholz und am Kirchheimerberg. Auch am Kirspenicher Pferdekirchhof in der Steinkanlen sind wir einmal beisammen gewesen und haben rohe Schlehensamen gegessen. Damals entstand ein Donnerwetter und wir sind nach Kirspenich in die Bach gegangen und haben darin geschlafen zu dem, dass Wetter in den Früchten Schaden tun soll. Aber zuletzt haben wir uns doch untereinander erbarmt, daß es keinen Schaden getan hat.”(44 ) In dieser Weise bezichtigte Grafjahns Ähl zu Kirchheim vor Gericht die Barbara in der Rieschgassen von Kirchheim am 05.10.1629 in der Wohnung des Gerichtsschreibers von Flamersheim der Hexerei. Tage zuvor hatte die Ähl noch bestritten, von der Zauberei gewusst zu haben. Aber da war die Frau noch nicht gefoltert worden. Nachdem die “Tränenprobe” positiv verlaufen war - der Gerichtsschreiber hatte gesehen, dass die Frau während der Verhörs sich Speichel aus dem Mund genommen und ihn mit den Fingern in die Augen gebracht hatte, womit sie vortäuschen wollte, dass sie weinen könne - suchte der Scharfrichter nach Hexenmalen am Körper. Der Ähl wurden kupferne und silberne Nadeln mehrfach tief in Stirn, Brust und andere Körperstellen eingestochen. Als wider erwarten doch Blut aus den Wunden austrat, beeilten sich die Richter zu behaupten, sie hätten das Körmermal nicht ganz genau getroffen. Denn nur wenn kein Blut ausgeflossen währe hätte das Gericht ein “stigma diabolicum” gefunden und die Frau als Hexe überführt. Die Tortour auf dem Peinstuhl fand erst ein Ende, nachdem die Ähl um Gnade gebeten hatte und sich bereit befand zu bekennen. Sie gestand u.a. auch das Vergehen, “mit den Hingerichteten Treinen Meuresen, Griten Grafen, Ahlen Kantjans und Billgen Linden vor sieben Jaheren in der Rieschgassen einen großen roten Ochsen mit Einstrennung etlicher Materialien in die Krippen bezaubert”(45) zu haben.
So ähnlich lief es immer bei den Flamersheimer Hexenprozessen in den Jahren 1629/30. Halb wahnsinnig vor Schmerzen gaben die Gefolterten den Bund mit dem Teufel letztendlich doch zu, brachten dabei in ihrer Not immer neue Namen ins Spiel. Da war auch Linden Zilch, die stundenlang
gefoltert worden war. Sie mußte durch die verschärfte Tortour (wahrscheinlich Streckfolter), weil sie keine Schuld zugeben wollte. Linden Zilch wurde Barbara gegenübergestellt, denn diese hatte sie denunziert. Wie Barbara denn zu der Behauptung gelangt war, Linden sei eine Hexe, wurde sie gefragt. Die Antwort: “Ich komme an euch, wie Ähl an mich geraten ist.”
Die Protokolle des Gerichtsschreibers Johann Frank über die Flamersheimer Hexenprozesse enden ohne daß der Ausgang der Prozesse vermerkt ist. Die Angeklagten dürften aber alle das gleiche Schicksal ereilt haben, wie andere zuvor und danach.

Hexenverfolgung in Heimerzheim(am Beispiel von Anna, der Dhomhalffenschen)

Am 9. Februar des Jahres 1637 wurde vom Heimerzheimer Schöffengericht Haftbefehl gegen Anna, genannt die Dhomhalffensche, erlassen. Dieser Haftbefehl beruhte auf den Aussagen schon Hingerichteter, Anna habe am Hexensabbat zu Heimerzheim teilgenommen. Nach deren Aussagen war Anna “ die Oberste der Satansweiber, die Hexenkönigin zu Heimerzheim”.(46)
Das Verhör der angeblichen Hexe begann morgens um 1000 Uhr “in dessen Verlauf Anna bekannte, vor einigen Jahren während einer Krankheit bei dem Heimerzheimer Wahrsager Wingart, in der Schmergasse, Rat gesucht zu haben. Weillen aber hie und dahin fackelt und zu keiner wahrer bekendtnussen hinzuvermogen geweßen”, wurde das förmliche... Untersuchungsverfahren eingeleitet.” (
47) In diesem Verhör wies Anna alle Vorwürfe zurück und bestritt, jemals etwas mit Hexen zu tuh gehabt zu haben. Sie gab jedoch zu, in einem Streit von Johann Hann als Hexe beschimpft worden zu sein. Als weiterer Beweis für ihren Kontakt mit dem Teufel wurden die sogenannten “teuflischen Zeichen” an ihrem Körper (Muttermale) gewertet. “Man glaubte damals, der Satan drücke seinen Ergebenen zum Abschluß des Bündnisses ein Malauf.”(48) In ein solches Mal stach der Richtermit einer Nadel und wenn daraufhin kein Blut herauskam, galt die Stelle als Teufelsmal. Daß dies in den Meisten Fällen der Fall war, galt die Schuld der Angeklagten als offenbar.

Der Scharfrichter stellte bei Anna sieben solcher oben genannter unblutigen Flecken fest, womit die Vormittagssitzung geschlossen wurde. Um ca. 13:00 Uhr traten die Gerichtsmänner unter dem Vorsitz von Dr. jur. Franziskus Biurmann, der wohl berüchtigste kurfürstliche Hexenkommissar, erneut zusammen.
Obwohl Annas Schuld bereits durch Ihre Aussagen und die Teufelsmale bewiesen war, beschlossen die Schöffen “zur Erforschung sicherer Wahrheit”(
49) die peinliche Interrogation.
Als erster Grad der Folterung wurden Anna Beinschrauben angelegt. Dieses Folterinstrument besteht aus zwei großen Holz oder Eisenplatten, die die Schienbeine zusammendrücken. Da die gewünschte Wirkung jedoch ausblieb, ging man nun zu einer anderen Foltermethode über, dem Aufziehen. Hierbei wurden Anna die Arme auf den Rücken gebunden, dann wurde Sie an den Händen soweit hochgezogen, dass sie gerade noch mit den Fußspitzen den Boden berührte. Als Anna auch hierbei keinerlei Aussage machen wollte, “zog man die Korte härter an, woraufhin die Angeklagte freischwebend an ihren ausgekugelten Gelenken hing”. (
50) Aber Anna war noch immer nicht zur Aussage bereit, wirkte eher -laut Protokoll - wie schlafend, was zur damaligen Zeit als “Zauberschlaf” gewertet wurde, durch den sich die Hexe der Folter entzog, ein weiterer Beweispunkt ihrer Schuld.
Als dann gegen 14:00 Uhr die Folter ausgesetzt wurde, setzte man Anna auf einen mit Nägeln besetzten Folterstuhl, schnallte ihre Arme, Beine und den Kopf fest. Daraufhin war Anna bereit ihre Aussage zu ergänzen:” Nicht wegen einer Krankheit, sondern aus Ärger darüber, dass “Gierth Veyge, Johanß Frau” ihr den Kirchstuhl streitig machte, habe sie Rat bei dem Wahrsager geholt.(51) Damit gab sich das Gericht jedoch immer noch nicht zufrieden und die Folterungen wurden erfolglos bis 15:30 Uhr fortgesetzt.
Da Anna nicht gestanden hatte, wurden die Folterungen am nächsten morgen um 9:00 Uhr wieder aufgenommen, Anna wurde erneut auf den oben genannten Stuhl gesetzt. Diesmal jedoch hielt sie nur bis 11:30 Uhr durch, dann bekannte sie, dass der Satan sie während des Streites um den Kirchenstuhl in der Gestalt des Kaplans beigestanden habe. Daraufhin wurde sie von dem Stuhl genommen und  bekam Bedenkzeit. Nachmittags wurde sie dann weiter verhört und gestand dabei, daß sie Gott abgeschworen habe.
Gegen Abend bekam sie nochmals Bedenkzeit und wurde am nächsten Morgen erneut auf den Folterstuhl gesetzt und zusätzlich mit Ruten geschlagen und sie saß dort “alß ein Stumm und gantz mit dem bloßen Geist besessenen menschen”.(
52)
Seit ihrer Gefangennahme hatte Anna jede Nahrung verweigert und war dadurch und durch die Folterungen körperlicham Ende. Nun gestand sie alles was das Gericht hören wollte: “ drei Begegnungen mit dem Teufel in Gestalt des Kaplans und eines Pferdeknechtes, Abschwörungen Gottes, die Namen der übrigen Hexen, die sie auf den Hexenplätzen auf der Kappeller und der Müggenhauser Heide getroffen habe und Schäden, die sie zusammen mit anderen durch Zauberei verursacht habe.”(
53) Die gemachten Aussagen bekräftigte sie mit den Worten:”Darauff leben und sterben wolle, undt standhaffght biß in den toid verharren”.(54) Daraufhin wurde sie gegen 17:00 Uhr vom Stuhl genommen.
Fünf Tage später mußte sie die gemachten Aussagen nochmals bestätigen und einem Priester ihre Sünden beichten.
Sie blieb bei ihrem Geständnis:”Ja, dabeystehen und halten wolle und die letze endt urtheill daruber zu empfangen willigh”.(
55)
Das Urteil war daraufhin nur noch eine Formsache. Es lautete: Tod durch Strangulieren und anschließende Verbrennung. Das Urteil wurde noch am gleichen Tage gegn 11:00 Uhr durch den Scharfrichter Meister Arendt vollstreckt.

Hexenverfolgung in Siegburg

Es ist mittlerweile wissenschaftlich belegt, dass in Siegburg zwischen Juli 1636 und Juli 1638 32 Frauen und 5 Männer dem Hexenwahn zum Opfer gefallen sind. Der Hexenwahn setzte hier, wie man an den oben genannten Daten sehen kann, sehr spät ein; belegt wird dieses auch durch die Tatsache, dass der “Siegburger Abt noch 1632 ein Verfahren gegen eine angebliche Hexe”(56 ) niederschlug.
Der Bürgermeister der Stadt Siegburg, Wilhelm Kortenbach, spielte bei der Hexenverfolgung in seiner Stadt eine entscheidende Rolle, indem er Nachbarn denunzierte, als Nebenkläger in Prozessen auftrat und gleichzeitig Mitglied des Schöffengerichts war. Außerdem verdiente er an den Opfern, indem er ihnen Wein und Brot zu hohen Preisen verkaufte.
Das wohl bekannteste Opfer war Kündtgen Meurer. Sie bekam mit ihrem Nachbarn Christian Lindlar im Jahre 1636 wegen eines Laibes Brot heftigen Streit. Sie hatte seinen Backofen benutzt und warf ihm vor, er habe ein Stück unterschlagen. Nachdem sie sich wieder versöhnt hatten, sie begossen ihren neu gewonnenen Frieden mit einer Menge Wein, erkrankte Lindlar schwer. Daraufhin beschuldigte dieser Kündtgen Meurer, sie habe ihm “Würmer in den Leib gehext”(
57) und zwar als er sich vor dem Gasthaus erleichterte. Kündtgen Meurer kam vor ein Schöffengericht, den Vordsitz führte der Bürgermeister Kortenbach, wurde gefoltert, vermutlich im Keller des heutigen Stadtmuseums - und schließlich auf dem Brückenberg erhängt und verbrannt. “Mit ihrem Tod setzte eine große Welle der “Hexenverfolgung” im Schatten des Michaelsberges ein”(58)
Durch Mitschriften der Gerichtsschreiber ist auch das Verfahren gegen Tringen Vogts bekannt, dass sich 1638 über 16 Tage hinzog. “3. Juli: Beinschrauben: kein Bekenntnis -  alsdann an die Korden gehängt mit Händen und Füßen (vier Stunden): kein Geständnis. Alsdann auf den Marterstuhl gesetzt”.(
59) Jetzt gesteht Tringen Vogts, wiederruft ihr Geständnis jedoch mehrfach. Die letzten Worte, die ins Protokoll aufgenommen werden lauten:” Es ist alles wahr, ich bin eine Hexe”(60), wodurch sie ihre Widerrufe widerruft, um den schnelleren Tod am Galgen gegen den qualvollen Tod in der Folterkammer zu tauschen. Am 19 Julie wird tringen Vogts schließlich gehängt.
Das letzte Opfer der Verfolgung war ein Mann, nämlich der Scharfrichter Hansen. Hatte er zuvor viele Todesurteile wegen Hexerei vollstreckt, so wurde er nun wegen des gleichen Verbrechens hingerichtet. Allerdings gestand er sofort, um der Folter, die er ja gut genug kannte, zu entgehen.

Hexenverfolgung in der näheren Umgebung von Bad Honnef

Der im 17. Jahrhundert wieder in Erscheinung tretende Hexenwahn, dem in Siegburg so viele Frauen zum Opfer fielen, führte auch zu einem Hexenprozess, dem einzig bekannten, in Bad Honnef.
“Margarete, die brave, hübsche Tochter eines bideren Holzhauers aus Oberkassel, wurde von schlechten Menschen der Hexerei bezichtigt, vor das Hauptgericht gestellt und verurteilt; von den Franzosen, die 1689 Honnef besetzt hielten, befreit, blieb sie zwar vor dem Feuertode bewahrt, wurde aber dennoch heimlich umgebracht”.(
71)
In Linz am Rhein kam es im Jahre 1631 zu einer Welle von Hexenprozessen.

 

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    Copyright 2000 by Michael Maus   und anderen. Texte mit freundlicher Unterstützung durch Britta Strohfeld. Alle Rechte vorbehalten.
                                                                           Letzte Änderung: Montag, 27. November 2000